Beate Sauer: "Der Geschmack der Tollkirsche"

Historischer Kriminalroman


Nach ihrem vielbeachteten Roman "Die Buchmalerin" hat sich Beate Sauer mit dieser Geschichte dem Römischen Reich zugewandt, und zwar besonders dem germanischen Teil desselben. Hier begegnet man zunächst dem ehemaligen Legionär und jetzigen Schäfer Quintus, der auf der Suche nach einem verlorenen Schaf bei einem aufziehenden Unwetter mehr findet als gut für ihn ist. Wenig später findet sich der Leser bei den Vorbereitungen für ein großes Festmahl, wobei die junge Witwe Arria die Planung übernommen hat. Mit Hilfe des Geldes und der Kontakte, die sich bei dieser Gelegenheit ergeben, möchte sie gerne in Trier eine Taberna eröffnen und so ihren weiteren Lebensunterhalt bestreiten. Während sich die junge Frau um ihre primäre Arbeit kümmert, wird sie auch immer wieder um Hilfe bei gesundheitlichen Problemen gebeten, denn sie ist in der Kräuterkunde relativ erfahren, und einen Arzt können sich die an den Vorbereitungen beteiligten Sklaven eher nicht leisten.

Doch dummerweise findet bei diesem Fest einer der Gäste den Tod - vergiftet mit Tollkirschen in seiner Speise, die ihm Arria persönlich brachte, nachdem sie zuvor mit ihm gestritten hatte. Mit einem Mal ist die kräuterkundige Köchin die Hauptverdächtige in einem Mordfall, und da sie auch nicht gerade zurückhaltend auftritt, bringt sie den Gastgeber Claudius und dessen Freund, den ehemaligen Zenturio Valerian, sehr gegen sich auf, so dass sie in einen Keller eingeschlossen wird. Doch bald schon findet sie unverhofft ihre "Zellentür" unverschlossen vor und befindet sich auf der Flucht.

Sowohl sie wie auch der sie verfolgende Valerian bewegen sich nun durch das römische Germanien des ausgehenden ersten Jahrhunderts,  und der Leser wird dabei mit den Lebensumständen sowie den politischen Ereignissen der damaligen Zeit konfrontiert, ohne dass das Buch dabei allerdings eine dozierende oder belehrende Note bekommt. Dies liegt einmal an der Qualität der Erzählung selbst und auch an dem Umstand, dass sich die Autorin bewusst die eine oder andere dichterische Freiheit nimmt, über die sie ihr Publikum im Nachwort dann auch aufklärt. Gefolgt wird dieses Nachwort von einer Erläuterung der Städtenamen und der typischen Begriffe des Römischen Reichs, die nicht unbedingt jedermann geläufig sein dürften.

Fazit: Ein interessanter Roman aus einer weitgehend wenig beachteten Zeit, der viel zu früh zu Ende ist.

(K.-G. Beck-Ewerhardy; 03/2007)


Beate Sauer: "Der Geschmack der Tollkirsche"
Grafit, 2007. 477 Seiten.
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Beate Sauer, geboren 1966 in Aschaffenburg. Studium der Philosophie und katholischen Theologie in Würzburg und Frankfurt/Main. Während des Studiums freie Mitarbeit bei diversen Zeitungen. Volontariat, Praktika bei verschiedenen Fernsehsendern. Seit 1997 lebt sie als freie Autorin in Köln.
Für ihr Krimi-Debüt "Der Heilige in deiner Mitte" wurde Beate Sauer 1997 mit dem 1. Preis in der Sparte Krimi beim 10. Nordrhein-Westfälischen Autorentreffen ausgezeichnet:

Valerian nahm sich eine andere Muschel, wobei er krampfhaft darauf achtete, dass sie ihm nicht aus der Hand glitt. Er hoffte inständig, dass das Gastmahl bald sein Ende fand.
Der Mann beugte sich vor und tauchte seinen Löffel in eine versilberte Schale, die mit einem Fischragout gefüllt war. Während er das zarte Fleisch kaute und die Aromen von Pfeffer, Wein und einer Spur Honig seine Geschmacksnerven erfreuten, ließ er seinen Blick durch den Saal auf der Südseite der Villa schweifen.
Die Führungsschicht - er verlieh dem Wort in Gedanken einen spöttischen Klang - der Germania Superior war in dem großen Raum mit der halbrunden Apsis versammelt. Lachen und Reden, untermalt von Lauten- und Harfenklängen, füllten die warme Luft. Die Menschen lagerten auf Triklinen, die mit samtenen und seidenen Kissen bestückt waren, aßen erlesene Speisen von luxuriösem Geschirr und ließen sich teure Weine schmecken - und waren völlig ahnungslos, dass in ihrer vertrauten Welt, in der sie es sich so bequem eingerichtet hatten, bald das Unterste zuoberst gekehrt werden würde.
Der Blick des Mannes blieb an Cassius hängen, der auf einer Trikline in der Nähe des marmornen Brunnens seinen Platz hatte und eben einen tiefen Schluck aus einem vergoldeten Weinkelch nahm. Nun, der Prokurator war ganz und gar nicht ahnungslos ...
Ein leises, zischelndes Geräusch ließ den Mann aufschauen. Ein Nachtfalter war der Flamme einer Kerze, die auf dem Tisch vor der Trikline stand, zu nahe gekommen und stürzte mit versengten Flügeln zu Boden. Der Mann nahm sich noch etwas von dem Fischgericht. Cassius würde es bald wie dem Falter ergehen. (...)

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