Myriane Angelowski: "Der Werwolf von Köln"


In Amandas Leben geschehen mysteriöse Dinge. Allmählich erkennt sie Zusammenhänge - begreift jedoch zu spät, dass das Böse schon nahe ist ...

Von dem realen Fall des Peter Stubbe ausgehend, der am 31.10.1589 in Bedburg/Jülich als der "Werwolf von Bedburg" hingerichtet wurde, erzählt Myriane Angelowski in einem Handlungsstrang dieser Geschichte den möglichen Weg, den der Mann von einer sehr schlechten Stellung innerhalb der Gesellschaft und der Geschwisterfolge zu Gelehrsamkeit, Reichtum und Grausamkeit genommen haben könnte. Denn im Buch begegnet er auf einem Friedhof im Winter einer Person, die ihm ein Geschäft anbietet, das ihn aus seiner bis dahin unerfreulichen Situation retten soll und ihm die Möglichkeit gibt, sich an diversen Peinigern in seiner Familie und seiner sozialen Umgebung zu rächen. Dieser Fall machte im Europa der damaligen Zeit viel von sich reden.

Die junge Amanda ist sich ihrer selbst nicht sonderlich sicher. Im zweiten Handlungsstrang dieses Romans hat sie bereits zwei erfolglose Selbstmordversuche hinter sich, einen längeren Aufenthalt in der Psychiatrie und große Probleme mit ihrem Stiefvater, die ihre Mutter nicht lösen kann. Als sich der Stiefvater aus geschäftlichen Gründen nach Osteuropa begeben muss und die Mutter für einige Zeit einen Kuraufenthalt verbringt, wird Amandas Bruder Tibor zu einer Tagesmutter gegeben, und Amanda soll einige Zeit bei der Tante in Bedburg bleiben. Die achtzehnjährige "Gothic"-Dame, die sich nach einem von ihr verursachten Autounfall in psychologischer Beurlaubung von der Schule befindet, soll dort für zwei Wochen unterkommen, weil man der möglicherweise Suizidalen das Haus nicht allein überlassen möchte, und weil es während der Reisezeit ihres Stiefvaters an einen Kollegen von Auswärts vermietet wurde.

Bei Tante Hedwig angekommen, ist alles ein wenig seltsam und beinahe wie in einem Traum für Amanda, die bald vor dem Problem steht, dass ihre Gastgeberin einen Schlaganfall bekommt und ins Krankenhaus eingeliefert werden muss, während gleichzeitig die etwas seltsam wirkende Nachbarin mit ihr Kontakt aufnimmt.

In ihrer Isolation in Bedburg und innerhalb ihrer verschiedenen anderen Probleme bekommt Amanda zunächst kaum etwas von der rätselhaften Mordserie in Köln und im Kölner Umland mit, welche die Presse heftig bewegt und deren Initiator in einer zunächst unklaren Verbindung zu Amanda steht.

Werwölfe im klassischen Sinn haben in den letzten Jahren in der Gruselliteratur wenig Eingang gefunden, insofern ist es schön, wieder einmal ein etwas folkloristisch angehauchteres Buch zu diesem Thema zu lesen. Die Erzählstruktur mit ihren Zeit- und Ortsprüngen ist nicht immer direkt zugänglich, was allerdings den Zustand Amandas ganz gut nachvollziehbar macht.

Die 1963 in Köln geborene Autorin Myriane Alice Angelowski hat mit "Der Werwolf von Köln" einen unterhaltsamen, angenehm lesbaren Gruselroman verfasst. Weitere Details, die ihn auszeichnen, sollen hier zwecks Vermeidung der Preisgabe des Inhalts verschwiegen werden.

(K.-G. Beck-Ewerhardy; 11/2010)


Myriane Angelowski: "Der Werwolf von Köln"
Emons Verlag, 2010. 287 Seiten.
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